Eines der schönsten Häuser im Ensemble, 1910 von Hugo Eberhard entworfen
Die Buchschlager Villensiedlung ist als geschlossenes architektonisches Ensemble einmalig in Deutschland


Eigentlich war alles ganz anders gedacht:
Jakob Latscha, Großkaufmann und Sozialreformer, kaufte 1900 ein Waldegelände rund um das Forsthaus Buchschlag, um weniger bemittelten Familien ein neues Zuhause zu schaffen. Doch daraus wurde nichts. Die immer teureren Baupreise konnten sich leztendlich doch nur die "gehobenen Bürgersleut" leisten. Frankfurter Kaufleute, Industrielle, Künstler und Beamte erfüllten sich im"LatschaWald" ihre Wohnträume. So entstand ein in Deutschland einzigartiges Villenviertel, dessen architektonische Geschlossenheit bis heute in Fachkreisen höchstes Ansehen genießt.

Strenge Bauvorschriften

Zunächst verfolgte Jakob Latscha aber seinen ursprünglichen Plan. 1904 gründete der sozial engagierte Großkaufmann eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft. Die gab sich ein strenges Reglement: Die Mindestgröße der Grundstücke wurde auf 1000 Quadratmeter und die Mindestentfernung zur Grundstücksgrenze auf 6 Meter festgelegt. Kein Haus durfte mehr als drei Geschosse, das Dach eingeschlossen, haben. Die Mindestsumme betrug umgerechnet rund 6000, für ein Mehrfamilienhaus 10 000 Euro. Der Bebauungsplan von 1905 ist noch heute im Stadtbild von Buchschlag leicht nachvollziehbar. Westlich bildet die Bahnlinie Darmstadt - Frankfurt, südlich die Buchschlager Allee und nördlich die Linie Buchwaldstraße und der Hengstbach die Grenze.

Als Ausgangspunkt für den Straßengrundriss in der Villensiedlung diente der Bahnhof Buchschlag. Dabei wurde darauf geachtet, dass das Viertel wie historisch gewachsenes wirkte. Kein Schachbrettmuster, sonern variirte Wege mit geschwungenen und geraden Linien. Kreuzungen wurden zu Plätzen erweitert. Verschieden große Grundstücke verstärkten die Illusion einer gewachsenen Siedlung noch. Die Planer dachten sogar noch weiter. Im Bebauungsplan war ein Ortszentrum mit Rathaus,Kirche, Schule und Läden vorgesehen. Viele Ideen konnten aber aus unterschiedlichen Gründen nicht verwirklicht werden.

1908 von Wilhelm Koban entworfen
Alois Beck baute dieses Schmuckstück
Läuft der Spaziergänger heute durch die Villensiedlung, kann er drei Architektur-Perioden unterscheiden, deren Übergänge jedoch fließend sind. Damals wegweisende Architekten wie Wilhelm Koban, Ludwig Bernoully und Alois Beck gaben den Villen ihr unverwechselbares Gesicht aus Elementen des Darmstädter Jugendstils und heimat-ländlicher Bauweise.

Aus diesen verschiedenen Grundtypen, dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend, entstanden so vielfältige Variationen. Typisch für die individuelle Gestaltung der Häuser ist der jeweilige Stil der Dächer. So werden die Häuser gekrönt von Sattel-, Zelt-, Walm- und Mansarddächern.

Das Bindinghaus im Kohlseeweg
Eine Villa aus dem Jahr 1914
Einzigartiges Gesicht

Verbaut wurden ausschließlich Materialien aus heimischer Produktion. Besondere Mühe gaben sich die Architekten und Handwerker bei der Gestaltung der Fassaden. Anbauten, rhythmisierende Fensterfronten, Klappläden, dekorative Vergitterungen und Spaliere verziehren die Häuser und verwöhnen das Auge des Betrachters. Individuall bepflanzte Gärten ergeben zusätzlich reizvolle Anblicke - jedes Haus ein Schmuckstück mit eigenem Gesicht.

(Quelle: Stadt Dreieich)
Buchschlager Bahnhof
Altes Buchschlager Rathaus
Buchschlags Einwohnerzahl: 2804 (Stand 2007)


Bücher und mehr über die Geschichte Buchschlags
Buchschlag Anno 2010
Großes Poster mit wunderschönen
Impressionen von Buchschlag

Erhältlich in der Dreieich-Apotheke
Buchschlager Alee 13

Vorschau
Wirsig-Lejeune, Margret:
"Die Villenkolonie Buchschlag"
Oase zwischen Kindheitsglück und Kriegen.

Egelsbach: Fouqué Literaturverl. (1997)
123 S.

Buchschlag: Geschichte und Geschichten;
Zeitzeugen erinnern sich.

Herausgeber: Stadt Dreieich
Zsgst.: Roswitha Wirtig.
(Frankfurt a.M.: Lembeck) (2001)
306 S.

"Jugenderinnerungen an Buchschlag-Dreieich"
von Bernd Klebach
Impressionen über die Zeit von 1946 - 1964,
sehr liebevoll und persönlich geschrieben.
Weitere Informationen:

Geschichtsverein Buchschlag
Dr. Dorothee Kaltenbach
Falltorweg 8

Tel. 06103 / 64911